Erfahrungsbericht: Saildrive Membrane auswechseln

Im Folgenden beschreibe ich, wie ich vorgegangen bin.

Bewegungsspielraum: um den Saildrive von der Maschine trennen zu können, müssen beide Komponenten um etwa 5 – 6 cm auseinandergezogen werden.

Das wollte ich nicht so machen wie von Chris in seinem wirklich tollen Video gezeigt, indem ich die Maschine mit einem Hebel nach vorne schiebe auf zuvor untergelegten Holzteilen. Allein die Maschine ohne Saildrive wiegt mindestens 150 Kilo und es gibt im Maschinenraum kaum ausreichend Platz um einen Hebel anzusetzen bzw. etwas unterzulegen.

Stattdessen habe ich für 40 € einen einfachen Kettenzug gekauft, um die Maschine aufzuhängen und so um die nötigen Zentimeter kontrolliert und ohne großen Kraftaufwand bewegen zu können. Die Maschine steht genau unter dem Niedergang und so konnte ich den Kettenzug an einem Balken über dem Niedergang leicht und doch sicher anbringen. Von der Achterkabine her gibt es einen guten Zugang zum Saildrive und dem hinteren Teil der Maschine, wenn man die Abdeckung abmontiert. Es gibt ausreichende Bewegungsfreiheit für die Maschine: Leitungen und Kabel sind überall lang genug, es gibt genügend Raum, um die Maschine einige Zentimeter anzuheben und nach vorne zu ziehen.

Saildrive vorbereiten: der Schaltzug zum Getriebe und der Kühlwasserschlauch müssen abgenommen werden.

Dann das Getriebeöl ablassen, dabei nicht vergessen, den Peilstab zu ziehen. Und der Propeller muss demontiert werden, damit der Saildrive später beim Herausnehmen nach oben durch die relativ enge Rumpföffnung passt.

Den Auspuffschlauch habe ich dran gelassen, denn ich hätte ihn nicht zerstörungsfrei abbekommen und außerdem war Platz genug.

Dann muss noch die Saildrive Manschette am Rumpf entfernt werden. Eine Ersatzmanschette ist im Ersatzteilkit von Volvo Penta enthalten, wenn man die alte Manschette nicht wiederverwenden will.

Maschine aufhängen: im nächsten Schritt muss die Maschine aufgehängt werden. Ein starker Balken – quer über den Niedergang gelegt – ergibt die obere Befestigung für den Kettenzug. Je höher der Kettenzug angeschlagen werden kann desto besser, weil dadurch der Kippwinkel beim späteren nach vorne Ziehen der Maschine möglichst klein bleibt. Wichtig ist auch, dass die 3 Anschlagpunkte an der Maschine so verteilt sind, dass die Maschine sicher und gut ausbalanciert hängt und möglichst gerade nach oben gezogen werden kann. Das Ganze ist etwas tricky, weil die Maschine nur vorne auf 2 Befestigungspunkten steht, hinten aber am Saildrive befestigt ist und so über den Saildrive nach hinten abgestützt wird.

Wenn man die Befestigung zwischen Saildrive und Maschine löst, fehlt die hintere Abstützung für die Maschine und deshalb muss sie zu diesem Zeitpunkt so aufgehängt sein, dass sie ihre Position nach der Ablösung vom Saildrive nicht verändert. Für einen ersten Test werden die Bolzen der vorderen Aufhängung gelöst und die Maschine etwa 1 cm angehoben, auch um zu sehen, ob sie wenigstens in der seitlichen Ausrichtung gerade nach oben geht.

Jetzt werden alle Bolzen für die vorderen Standfüße herausgenommen. Achtung: wenn der obere Befestigungspunkt nicht genau mittig über (dem Schwerpunkt) der Maschine befindet, wird die Maschine beim Lösen der Bolzen durch die Schwerkraft zum Schwerpunkt hinbewegt. Wenn diese Bewegung zu extrem sein sollte, muss man die Maschine noch mal ablassen und den oberen Befestigungspunkt entsprechend nachjustieren. Im Ergebnis hängt die Maschine dann frei und etwa 1 – 2 cm über ihrer alten Position.

Maschine und Saildrive trennen: Jetzt werden die 6 Bolzen gelöst, die das Saildrivegetriebe an der Maschine halten.

Die gelösten Bolzen bleiben aber noch mit einigen Umdrehungen in ihren Gewinden, um ein unkontrolliertes Absacken der Maschine bei der Trennung zu verhindern, falls die Aufhängung nicht sauber austariert sein sollte.

Auch die Bolzen für den äußeren Membran-sicherungsring des Saidrive bleiben noch fest, um den Saildrive zu halten, wenn Maschine später nach vorne gezogen wird (Bild links).

Zusätzlich ist der Saildrive außen unter dem Rumpf mit Gurten gesichert und durch einen Bock von unten unterstützt um ihn für das Auseinanderziehen zu fixieren (Bild rechts).

Jetzt wird mit einem großen Schraubenzieher zwischen Maschine und Saildrive angesetzt und abwechselnd von links und von rechts vorsichtig auseinandergedrückt, bis ein Abstand von ca. 1 cm zwischen beiden besteht. (Bild links)

Jetzt kann man auch schon gut erkennen, ob der hintere Teil der Maschine nach unten wegsacken will. Ein passendes Holzteil unter der Maschine kann jetzt als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme ein unkontrolliertes Absacken der Maschine beim weiteren Auseinanderziehen verhindern. Dann werden die 6 bereits gelösten Befestigungsbolzen ganz herausgenommen. Jetzt wird die Maschine mit einem Seil etwa 5 cm noch vorne gezogen, bis die Welle des Saildrive aus dem Gegenstück in der Maschine ausgetreten ist. (Bild rechts)

Die Maschine wird jetzt in dieser Position fixiert.  

Saildrive ausbauen: der Saildrive steht jetzt allein auf der Membrane, der unteren Abstützung und den hinteren Bolzen.

Diese und die Bolzen für den äußeren Membransicherungsring werden jetzt alle herausgenommen. Danach steht der Saildrive nur noch auf der Membrane, der äußere Sicherungsring liegt lose auf der Membrane und der Saildrive kann als Ganzes hochgehoben werden. Bevor er ganz herausgehoben werden kann, muss der äußere Sicherungsring noch über die Membrane nach unten gezogenen werden, da das Ganze sonst zu sperrig wäre zum Herausheben.

Dann wird der Saildrive als Ganzes nach oben gehoben und dabei leicht nach hinten gekippt.

Dafür ist etwas Kraft nötig, weil das Teil ca. 26 kg wiegt. Da der Rumpfdurchbruch für den Saildrive zumindest in meinem Fall sehr eng ist, muss man den Saildrive mit etwas Geduld nach oben ausfädeln. Achtung: beim Ablegen darauf achten, daß alle Öffnungen zum Getriebe (Einfüllöffnung, Ölmessstab, Ölablassschraube) geschlossen sind, da trotz Ablassen immer noch einiges an Öl im Inneren vorhanden ist, das auslaufen kann.

Saildrive auseinander bauen und reinigen: Zuerst wird das alte Seeventil ausgebaut.

Dann wird der Saildriveschaft vom unteren Teil des Getriebes getrennt. Dazu werden die insgesamt 10 Inbus Schrauben (6mm) gelöst und herausgedreht. Die mittleren Schrauben sind mit Draht gesichert, der zuvor entfernt werden muss.

Genau genommen besteht der untere Teil des Getriebes aus einer Aluminiumplatte, die ihrerseits mit 3 Schrauben am Getriebegehäuse befestigt ist und so gleichzeitig die Gummimembrane hält, deren Austausch das eigentliche Ziel der Aktion ist. Die Verbindung zwischen Schaft und Getriebe ist an dieser Stelle durch eine Papierdichtung abgedichtet, die sich in großen Teilen gut vom Metall ablösen lässt.

Nur im Aussenbereich und an den Innenkanälen hat die Dichtung zum Teil gelitten und muss zusammen mit Kalk- bzw. Ölrückständen mühsam abgeschrubbt werden, ansonsten lässt sie sich leicht und intakt abnehmen. Die Flächen, auf denen die neue Dichtung und die neue Membran zu liegen kommen, müssen nach der Reinigung natürlich glatt und frei von Rückständen sein, damit die Dichtung und Membran auch funktionieren. Kleiner Schock zwischendurch: es scheint als hätte der Lagergehäusedeckel Risse und müsse ersetzt werden.

Aber ein vorsichtiges Anschleifen zeigt, daß es sich um Gußgratreste handelt, die nach dem Schleifen vollständig verschwinden. Große Erleichterung.

Zustand der Membrane: es gibt – nach immerhin über 30 Jahren Einsatz – keinerlei Verschleiß- oder Verwitterungserscheinungen, das Gummi ist wirklich dick und stark und – zumindest gefühlt – genauso flexibel und elastisch wie bei der neuen Membrane. Allenfalls in den Bereichen, die langfristig von Wasser benetzt waren ist die Oberfläche verkalkt und bewachsen und ein klein wenig schrumpelig.

Ansonsten gab es ja auch weder mechanische noch chemische Belastungen in der Zeit des Einsatzes, allenfalls ein bisschen Öl oder Diesel von oben und Seewasser von unten. Insofern hat sich der Ersatz nur gelohnt, weil ich ohne einen Ausbau des Saildrive das alte Seeventil nicht hätte ersetzen können.

Einbau Membran und Zusammenbau Getriebe und Schaft: der Zusammenbau ist relativ einfach, wenn alles gut vorbereitet ist: alle Teile sind gereinigt und Gummimembrane, Papierdichtung, O-Ring, alle Schrauben und Drehmomentschlüssel (10 – 25 Nm) liegen bereit. Zuerst wird die Membrane wieder am Getriebegehäuse befestigt.

Die dazu benötigte Aluminiumscheibe wird mit 3 Inbusschrauben (6mm, 26 Nm) angeschraubt. Der Schacht für die Antriebswelle bekommt einen neuen O-Ring aus dem Volvo Penta Service Kit.

Der Schaft wird dann mit insgesamt 10 Inbusschrauben (6mm, erst 10, dann 25 Nm) am Getriebegehäuse befestigt. Beim Zusammenfügen muss darauf geachtet werden, dass die Papierdichtung in ihrer korrekten Position liegt und dass die sehr dünnen Abstandsringe im Schacht für die Antriebswelle korrekt in ihrer Position sind. Reihenfolge und Drehmoment für die Schrauben sind exakt vorgegeben

Nach dem Festziehen werden die 4 innersten Schrauben mit Draht verbunden und so gesichert. Das neue Seeventil ist noch nicht angebracht, um den Saildrive vor dem Wiedereinbau so schlank wie möglich zu halten.

Vorbereitung und Wiedereinbau: Maschine etwas anheben und ca. 5 cm nach vorne ziehen. Untergrund säubern. Ring über die Membrane ziehen. Saildrive von oben in den Schacht absenken und dabei etwas nach hinten kippen, bis er durch die Öffnung nach außenbords geht.

Jetzt langsam absenken, bis er auf der Gummimembrane zu stehen kommt. Hinteren Standfuß fixieren, Bolzen handwarm anziehen. Saildrive jetzt von außen unten unterstützen und mittels Spanngurt so ausrichten, dass er etwa in seiner korrekten Position steht.

Kopf der Antriebswelle und das Gegenstück gut einfetten. Maschine so ausrichten, dass die Antriebswelle möglichst genau gegenüber ihrem Passstück liegt. Jetzt die Maschine langsam nach hinten ziehen und dabei ggf. immer wieder nachjustieren. Die Rückseite der Maschine und Vorderseite des Saildrive müssen sich exakt plan gegenüberstehen, damit der Kopf der Antriebswelle in sein Gegenstück einrasten kann. Für die Überwindung des letzten Zentimeters hilft ein bisschen Ruckeln und hin und her Drehen des Saildrive. Jetzt werden erst die 6 Bolzen für die Verbindung von Saildrive und Maschine mit 40 Nm angezogen.

Die Maschine ist jetzt über den Saildrive nach hinten abgestützt. Dann erfolgt die Feinjustierung für die vorderen Standfüße, die dann ebenfalls mit 40 Nm wieder angeschraubt werden. Damit stehen Maschine und Saildrive als Einheit wieder fest auf ihrem Widerlager. Halterung für die Gummimembrane mit 20 Nm anschrauben. Neues Seeventil einsetzen und Kühlwasserschlauch befestigen. Schaltzug wieder einbauen.

Fazit: Ich habe lange hin und her überlegt, ob ich mir die Mühe wirklich machen soll. Wenn die Unzufriedenheit mit dem alten Seeventil nicht gewesen wäre, hätte ich es wahrscheinlich nicht gemacht.

Insgesamt habe ich mehr Schwierigkeiten erwartet. Im Hinblick auf die folgenden 3 Aspekte war ich unsicher: das sichere und kontrollierte Bewegen der Maschine, das Herausbugsieren des Saildrive aus dem Motorraum und das Wiederverheiraten von Saildrive und Maschine. Für das Bewegen der Maschine war der Seilzug eine sehr gute und einfach zu handhabende Lösung. Das Herausbugsieren des Saildrive ging einfacher als gedacht, insbesondere weil ausreichend Platz zur Verfügung stand. Das „Wiederverheiraten“ von Saildrive und Maschine war ein bisschen tricky und erfordert Kraft und Fingerspitzengefühl, was aber mit der aufgehängten Maschine und dem vorfixierten Saildrive kein Problem war.

Insgesamt habe ich (als Nicht-Fachmann) ca. 20 h Arbeit (reine Ausführung ohne Vorbereitung und Nachdenken über Lösungswege) investiert und bin mit dem Ergebnis zufrieden. Im Nachhinein bin ich froh über die Erfahrung und darüber, daß ich jetzt ein funktionierendes Seeventil und Sicherheit über den Zustand der Membrane habe.  


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.